Der Schusterbauernhof liegt im östlichen Teil des Landkreises Altötting in Oberbayern, 2 km westlich des Marktes Marktl, ca. 375m über NN. Geographisch befinden wir uns genau auf der Grenze zwischen Alpenvorland und tertiärem Hügelland, das durch den Inn abgetrennt wird. Der Hof steht am nördlichen Prallufer des Inn, in einer durch die Alzmündung (Abfluss des Chiemsees, 62 Flusskilometer) entstandenen Einbuchtung. Diese wird im Osten durch das Innhorn und im Westen von der Dachlwand markiert. Daraus ergibt sich die Besonderheit, dass wir sehr windgeschützt liegen; Ostwind gibt es nicht, Westwind schwach.

Der Hof ist im Hang eingebettet, oberhalb befindet sich Mischwald mit hohem Rotbuchenanteil, unterhalb liegen Ackerflächen und Grünland mit Schilfflächen und Feuchtbiotopen. Unsere landwirtschaftliche Nutzfläche wird von der Kreisstraße Marktl - Perach begrenzt, auf deren anderen Seite der Marktler Badesee (Umfang 2,4 km) zur Erholung einlädt.

Unser Hof, mit Hofnamen Schusterbauer, befindet sich in der Flur Queng. Um 1430 wird Queng, damals noch Twenng oder Gueng, zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Bereits zu dieser Zeit war unser Hof, im Gegensatz zu vielen anderen, ein freier Hof, von denen es damals in ganz Bayern nur 4% gab. Der Name Queng bedeutet nach Vollmanns Flurnamensammlung soviel wie "einengen, Felsenge". In der Tat ließen hier Wasser und Berghang nur einen schmalen Raum frei für eine bodenständige Nutzung.

Drei Bauerngüter verteilten sich auf diesem Landstreifen: Katzhuber, Schusterbauer und das Fischergütl. Sie existierten Jahrhunderte lang in der Abgeschiedenheit dieser Exklave. Damals setzte der noch nicht gezähmte Inn, der auch die einstige Burg Leonberg (ca. 1km westlich) zum Absturz brachte, den Bauersleuten in Queng sehr zu und riss oft komplette Ernten mit sich. Laut einer Steuerbeschreibung von 1671 gab der Schusterbauer Georg Reichl zu Protokoll, dass er "an Getreide nichts zu verkaufen habe, da das Wasser die meisten Gründt weggenommen"

Eine Wende trat ein durch den Bau der Bahnlinie München-Simbach im Jahre 1868. Man legte den Eisenbahndamm auf einer Längsfront von ca. 2km mitten durch das Flussbett des Inn. Hierbei wurde auch das bis dahin erhaltene Fischergütl, das als Zubaugütl des am anderen Flussufer gelegenen Falkenhofes bestand, abgerissen und die Grundstücke verkauft. Ebenso wurde an dieser Stelle der Fährverkehr stillgelegt. Die Fertigstellung des Dammes erfolgte 1870. Er trennte nun den Inn in zwei Teile, wovon der nördliche abgetrennte Teil die Bezeichnung "Alter Inn" erhielt. Somit war die Flur Queng vor den Wasserschäden des Inn geschützt und führte ein stilles abgelegenes Dasein. Die Wasserfläche, teils mit Schilf bewachsen, ging in das Eigentum der angrenzenden Grundbesitzer über.

Schon 30 Jahre später wurde der "Alte Inn" als Bademöglichkeit interessant. Bereits damals, ab 1897, wurde dieses Gebiet mit seinen Naturschönheiten Einheimischen und Fremden als ideales Wander- und Erholungsgebiet angepriesen.

Ziemlich genau zu dieser Zeit erwarben auch unsere Vorfahren Johann und Anna Stallbauer, geb. Maier, den Schusterbauernhof und errichteten 1911 eine Scheune mit Heulager, die heute noch genutzt wird. Die beiden bewirtschafteten vorher den Katzhuberhof und kauften 1898 den größeren Schusterbauernhof mit einem Grundbesitz von 66,56 Tagwerk für 11440 Mark. Die Vorbesitzer Medardus und Maria Reichl mussten diesen wegen fehlender Erben aufgeben. Noch heute ist ein Gebäude erhalten, das 1860 von Jakob und Brigitta Reichl errichtet wurde. Es diente bis zum Jahre 1998 als Jungviehstall. Auch das heutige Wohnhaus ist in seiner Substanz noch aus dem Jahre 1752. Im Flur und im Wohnzimmer der jetztigen Besitzer kann man einen Blick auf die über 250 Jahre alten Balken werfen.

1912 übernahmen Christian Maier, lediger Sohn von Anna Stallbauer, und seine Frau Leokadia den Hof. 1929 wurde dann die Verbindungsstraße Marktl-Perach entlang der Bahnlinie gebaut, und somit war Queng nun auch von der Westseite erreichbar.

1936 erwarb das Innwerk 5,06 Tagwerk Grund von Christian Maier für den geplanten Bau eines Innkanals. Dieser bedeutende Eingriff in die Naturlandschaft wurde glücklicherweise fallen gelassen, da sich der Einbau von Staustufen in das Flussbett bewährte.

1948 erbten Ludwig Maier und seine Frau Franziska den Hof. Die beiden führten den Betrieb mit 6 Milchkühen weiter. 1964 errichteten sie einen Kuhstall für 12 Kühe und Nachzucht. Zu dieser Zeit wurden noch viele Hangflächen umgepflügt. Durch die sinkenden Getreidepreise wurden mit der Zeit immer mehr Ackerflächen aufgegeben und in Wiesen umgewandelt. Feuchtwiesen mähte man einmal jährlich und nutzte das Mähgut als Einstreu. Bereits in den 60er Jahren wurde ein Hangmoor als Naturdenkmal ausgewiesen, was zu dieser Zeit noch ziemlich selten war.

Am 1.7.1985 übernahmen wir, Ludwig und Marietta Maier, den elterlichen Hof und führten ihn mit 12 Milchkühen weiter. Zu dieser Zeit begann der Staat auch mit Zuschüssen und Förderungen für die Pflege von Feucht- und Trockenbiotopen. Durch die Gründung des Landschaftspflegeverbandes Altötting im Jahre 1992 begann Ludwig Maier mit Pflegemaßnahmen von Feucht- und Trockenbiotopen im ganzen Landkreis.


Wir beschlossen, soweit als möglich, die Flächen extensiv zu bewirtschaften. Seit dem Jahr 2004 wird gänzlich auf Chemie in der Bewirtschaftung verzichtet, sodass wir nun ein biologisch wirtschaftender Betrieb sind. Seit April 2007 sind wir Mitglied im Biokreis. Im Oktober 2011 wurde auf Mutterkuhhaltung mit Gallowaykühen umgestellt. Das Fleisch der Tiere wird ab Hof vermarktet.


Da Ludwig Maier, Landwirt und Schreiner von Beruf, schon immer ein großes Interesse an der Natur und ihren Zusammenhängen hatte, machte er eine Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer an der Akademie für Natur- und Landschaftspflege in Laufen. Im Mai 2001 konnten wir auf unserem Hof den Umweltstadl, eine ökologische Bildungsstätte, eröffnen. Seither besuchen jährlich zahlreiche Schulklassen diese Einrichtung.

Als die Renovierung eines Nebengebäudes anstand, wurden im Jahre 1995 zwei Ferienwohnungen gebaut. Auf Grund guter Belegung kamen im Jahr 2005 noch zwei weitere Wohnungen hinzu.


Am 1.1.2016 haben wir den Schusterbauernhof an Sohn Ludwig Christoph und seine Frau Margarita übergeben.